Rezension: Und Morgen die ganze Welt

Kurz vor dem zweiten Shutdown kam der Film „Und morgen die ganze Welt“ der Regisseurin Julia von Heinz in die deutschen Kinos. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, ich sah mir den Film jedoch noch am 1.11. an.

Die Handlung in aller Kürze
Die 20-jährige Luisa (Mala Emde) verlässt ihr gutbürgerliches Elternhaus auf dem Land und zieht für ihr Jurastudium nach Mannheim. Über ihre Schulfreundin Batte bekommt sie ein Zimmer im lokalen besetzten Haus und sie beginnt sich in einer antifaschistischen Gruppe zu engagieren. Schon bald ist Luisa bei Protesten gegen eine Kundgebung der rechten Partei „Liste 14“ dabei. Über das Hausprojekt und ihre politische Arbeit lernt Luisa den Macho-haften Alfa kennen, der sich mit friedlichem Protest nicht zufriedengeben möchte. Nach und nach kommt Luisa tiefer in die Szene und wird selbst immer wieder mit der Frage konfrontiert, wo die Grenzen legitimen Widerstands gegen die extreme Rechte verlaufen.

Zwischen Banalität und Hollywood
Julia von Heinz arbeitete schon seit Anfang der 2000er Jahre an der Umsetzung ihrer Idee, die „Und morgen die ganze Welt“ zugrunde liegt. Sie verarbeitet in dem Film ihre eigene Szene-Zeit im Bonn der 1990er Jahre, in der die Diskussion um die Legitimität der eigenen Militanz intensiv geführt wurde.

Der Film ist ein stellenweise fast banaler Einblick in das Leben innerhalb der linken Szene: langwierige Plenumsdiskussionen um alltägliche Probleme, exzessive Partys und Konzerten. Aber auch die staatliche Strafverfolgung, die linken Strukturen entgegenschlagen kann, findet ihren Platz im Film.
Der Kern liegt jedoch in der Darstellung der konspirativen Organisierung und Durchführung der militanten Aktionen selbst. Der Film schafft es die Spannung, die diesen Situationen innewohnt, spürbar näherzubringen, ohne dabei die emotionalen Folgen für die Protagonist*innen außer Acht zu lassen.

Die Entwicklung Luisas ist auf einer inhaltlichen Ebene vielleicht noch nachzuvollziehen, wirkt stellenweise jedoch als etwas überhastet präsentiert. Die Inszenierung, gerade zum Ende hin, geht leider etwas zu sehr in Richtung Hollywood, sodass so manches sich nur noch bedingt logisch in die Handlung einfügt. Der Gegensatz der unterschiedlichen Motivationen von rechter und linker Gewalt wird hingegen durchaus reflektiert dargestellt.
Am Ende des Films stellt sich mir jedoch die Frage, inwiefern die im Film dargestellte Diskussion, die heutige politische Linke noch repräsentieren kann.

Was bleibt nach dem Film?
Der Film wird mir nicht unbedingt wegen seiner einzigartigen Charaktere in Erinnerung bleiben. Er wird mir in Erinnerung bleiben als eine, meiner Meinung nach, gelungene und differenzierte Darstellung der Diskussion über die Legitimität von Militanz, abseits stumpfer Gleichsetzung von linker und rechter Gewalt. Wer über die teils flachen Charaktere und die an Stellen überdramatisierte Inszenierung hinwegsehen kann, dem sei der Film wärmstens empfohlen.

Der Film ist ab dem 1.3. digital zu erwerben und ab 15.3. als DVD und Blu-ray verfügbar.

(Bildquelle: Pixabay via Pexels)


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