Bonner*innen gedenken den Opfern des Terroranschlags in Hanau

Zwischen 400 und 450 Bonner*innen gedachten gestern den Opfern des rassistischen Terroranschlags in Hanau, der sich am gestrigen Abend zum ersten Mal jährte. Dazu gab es die Möglichkeit an zwei zeitgleich stattfindenden Kundgebungen teilzunehmen, um auch in der derzeitigen Pandemie-Situation ein Gedenken zu ermöglichen. Die Gruppe „Frauen*streik Bonn“ organisierte ihre Kundgebung am Frankenbadplatz, die Kundgebung am Marktplatz wurde von der Bonner Ortsgruppe der Falken, der „Anarchosyndikalistischen Jugend Bonn“ und der „Antifaschistischen Organisation Bonn“ organisiert.

Bereits um kurz nach halb sechs, eine halbe Stunde vor Beginn der Kundgebung, versammelten sich etwa 150 Menschen am Frankenbad um den Opfern des Anschlags zu gedenken. Mit Beginn der Kundgebung um 18 Uhr stieg diese Anzahl auf ca. 300 Personen an. Rund um das Frankenbad waren zahlreiche Plakate mit den Gesichtern der Todesopfer angebracht, im Zentrum des Platzes wurden die Namen zudem mit Kreide auf den Boden geschrieben, und mit Grablichtern hervorgehoben. In einem ersten Redebeitrag wurden die Fehler der Behörden bei der Verhinderung des Anschlags und im Umgang mit den Überlebenden und Angehörigen skandalisiert. Dabei kamen vor allem die Angehörigen der Opfer zu Wort, deren Aussagen und Forderungen in Form von Zitaten, wiedergegeben wurden. Die Rednerin forderte zudem, dass die Behörden endlich dafür sorgen sollten, das Deutschland ein gleichermaßen sicherer Ort für alle Menschen ist. Auf eine angebrachte Leinwand wurden Gesichter und Statements von Opfern und Angehörigen des Anschlags projiziert. Nachdem die Namen der Getöteten durch die Teilnehmenden der Kundgebung gemeinsam laut ausgesprochen wurden und sie mit einer Schweigeminute bedacht wurden, gab es die Möglichkeit Blumen und Botschaften für die Opfer niederzulegen.

Auf der zweiten Kundgebung am Marktplatz versammelten sich weitere 100 bis 150 Personen zum Gedenken an die Opfer. Über einen Beamer wurden Bilder und Informationen zum Leben der Getöteten, Videoausschnitte der Initiative 19. Februar Hanau, sowie politische Botschaften an das Rathaus geworfen.
In der Rede des kurdischen Vereins Bonn wurde der Umgang mit den Angehörigen und Überlebenden des Anschlags seitens der Behörden stark kritisiert. Die Überlebenden seien mit Schmerzensgeldern abgespeist worden und dann sei man zurück zur Tagesordnung übergegangen, so die Rednerin. Auch das Verbot der Hanauer Gedenkdemonstration sechs Monate nach der Tat am Vorabend der Demonstration mit der Begründung des erhöhten Infektionsgeschehens kritisierte sie in Anbetracht der trotzdem stattgefundenen Querdenken-Demonstrationen im Bundesgebiet. Das alles sei kein Versagen von Einzelnen, sondern Teil des Systems und der Verhältnisse, die benannt und verändert werden müssten.
Gegen 19 Uhr wurde die Kundgebung beendet und die Versammlung aufgelöst.


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