Internationaler Frauenkampftag in Bonn

Anlässlich des internationalen Frauenkampftags zogen gestern Abend rund 800 Personen mit dem Motto „Ohne uns steht die Welt still!“ durch die Bonner Innenstadt. Um 18 Uhr eröffnete die Demonstration eine Aufführung des chilenischen Protestsongs „El violador eres tú!“ (Dt: „Der Vergewaltiger bist du!“). In diesem werden Femizide und die damit verbundene, systematische Täter-Opfer-Umkehr durch Staat und Gesellschaft angeprangert. In den folgenden Reden wurde unter anderem die Bedeutung des Streiks in der Pandemie betont, da das Gesundheitssystem ohne die Arbeit von Frauen schon lange in sich zusammenbrechen würde. Auch verschärfe die Pandemie die bestehenden Ungerechtigkeiten in der Verteilung der unbezahlten Care-Arbeit und Altersarmut. Es müsse eine solidarische Welt geschaffen werden, die frei von Sexismus und Ausbeutung sei, so, eine Rednerin.
Vom Münsterplatz zog die Demonstration durch die Innenstadt, mit kurzer Zwischenkundgebung am Bertha-vom-Suttner-Platz, bis zum Frankenbad. Nicht jedem gefiel die Demonstration. Eine Gruppe junger Männer skandierte eine Reihe homofeindlicher Beleidigungen vom Stadthaus-Plateau, als die Demonstration daran vorbeizog. Um 20 Uhr wurde die Demonstration am Frankenbad beendet. Jedoch ohne die geplante Abschlusskundgebung. Grund dafür: Der Platz war nicht groß genug, um allen Teilnehmenden die Einhaltung der Mindestabstände zu ermöglichen.

Der 8. März als internationaler Frauenkampftag wurde durch die Organisatorinnen des „FrauenStreik Bonn“, wie auch die letzten Jahre, als feministischer Streiktag geplant. In der letzten Woche gab es zahlreiche Veranstaltungen zur gemeinsamen Vorbereitung des Tages und feministische Empowerment-Workshops. Am Streiktag selbst gab es ab 15 Uhr ein Streikcafé auf dem Münsterplatz, das als Ort des gemeinsamen Austausches genutzt werden konnte. Feministische Streiks haben eine lange Tradition. Bereits im 17. Jahrhundert nutzten Frauen Streiks als Strategie, mehr Mit- und Selbstbestimmungsrechte zu erhalten. Aufschwung verschaffte der Protestform in den letzten Jahren unter anderem erfolgreiche Streiks gegen das 2016 in Polen geplante vollständige Abtreibungsverbot oder die 2017 und 2018 stattgefundenen „International Women’s Strikes“, die sich gegen Femizide und häusliche Gewalt und für faire Bezahlung und Selbstbestimmung aussprachen.
Neben dem „FrauenStreik Bonn“ gab es auch Aktionen anderer feministischer Gruppen. Durch die Uni-Gruppen der „Kritischen Historikerinnen“ und „Kritischen Politikwissenschafts- und Sozialwissenschaftsstudent*innen“ wurden nach berühmten Männern benannte Straßen und Statuen Frauen umgewidmet. So wurde aus dem Beethoven auf dem Münsterplatz die Komponistin Clara Schumann, aus Ernst-Moritz Arndt am Alten Zoll wurde Johanna Elberskirchen, eine Schriftstellerin und Medizinerin, die sich für die Rechte von Frauen und Homosexuellen einsetzte. Zusätzlich gab es im Stadtgebiet mit Kreide geschriebene, feministische Parolen auf den Straßen zu finden.



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