#alteVHSbleibt: Demonstration für selbstorganisiertes Kulturzentrum

Was haben eine selbstorganisierte Kinderbetreuung, ein Tango-Tanzkurs, Punk-Bands, Theater-Gruppen und ein offener Kunstraum für Menschen im Autismus-Spektrum gemeinsam? Auf den ersten Blick vielleicht nicht viel. Und trotzdem gibt es einen Ort in Bonn, an dem sich all diese Menschen und Gruppen treffen, proben oder Veranstaltungen selbstorganisiert und unkommerziell durchführen können. Die Rede ist vom Kulturzentrum Alte VHS, welches seit 2018 in den namensgebenden Räumlichkeiten der Stadt in der Kasernenstraße angesiedelt ist.
Seit September 2019 bangen die Nutzer*innen und der Trägerverein Rhizom e.V. jedoch um genau diese Örtlichkeiten. Der Stadtrat hatte beschlossen, das Gebäude in eine Kindertagesstätte umzubauen. Die Alte VHS muss Ende diesen Jahres ausziehen. Es wurde zwar ebenfalls beschlossen, ein innenstadtnahes Ersatzgebäude zu finden, doch auch jetzt, ein halbes Jahr vor dem Auszugsdatum, ist bis auf mehr oder minder vielversprechende Angebote noch nichts endgültig geregelt.

Um diesen Missstand zu thematisieren, zogen am vergangenen Samstag fast 700 Menschen durch die Bonner Innenstadt. Die Kundgebung auf dem Hofgarten erschien zunächst nicht wesentlich anders als bei anderen Demos. In kurzen Reden wurden die eingangs erwähnten Gruppen und Projekte vorgestellt, die allesamt die Räumlichkeiten nutzen. Auch der aktuelle Stand der Verhandlungen um ein Ersatzgebäude wurde angesprochen. Jonas vom Rhizom e.V. erzählte, dass mit einer alten Realschule in Beuel nun ein Gebäude zur Zwischennutzung im Gespräch sei. Was fehle, seien jedoch konkrete Konditionen zur Miete und Sanierungskosten, sowie eine langfristige Perspektive. Er forderte: „Wer 160 Millionen Euro in das Prestige-Objekt Beethoven-Halle steckt, darf vor Kosten für die breite Zivilgesellschaft nicht scheuen.“
Für Abwechslung zwischen den Reden sorgte ein kleines Kulturprogramm. Die Kölner Punk-Band This Girl will selfdestruct, die Theater-Gruppe laClinicA und der Bonnopoly-Sprechchor zeigten dabei, wie vielfältig die Räumlichkeiten der Alten VHS genutzt werden.

Nach einer guten Stunde auf dem Hofgarten startete dann die Demo mit einer Route durch die Innenstadt. Dabei wurde an einigen Orte des Leerstands, wie dem Viktoria-Bad, der leer-stehenden Poli-Klinik oder dem städtischen Leerstand in der Budapesterstraße, vorbeigegangen. Auch die soziale Verdrängung rund um das Urban Soul-Bauprojekt am Hauptbahnhof wurde aus der Demo heraus kritisiert. In Jingles wurde gefordert, die Stadt müsse ihre Politik ändern, Leerstände auf eigene Kosten sanieren und der Zivilgesellschaft zur Verfügung stellen.
Entlang der Route ergaben sich zudem allerhand Überraschungen. Am Bertha-von-Suttner-Platz gab es einen Klimagerechtigkeits-Flashmob von Extinction Rebellion in Tierkostümen, von der Plattform des Stadthauses enthüllte Fridays for Future mehrere Transparente. Vom Stiftsplatz aus, bespielte eine Jazz-Combo aus Nutzer*innen des Musikraumes die Demo, aus dem Hof der Alten VHS gab eine Blaskapelle ihre Stücke zum Besten. An mehreren Stellen tanzten Nutzer*innen des Tanzraumes zu lauter Musik Tango.
Gegen 17 Uhr kehrte die Demo dann schließlich in den Hofgarten zurück und wurde nach einer kurzen Abschlusskundgebung dann beendet.


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